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Da, ich will! Heiraten auf Deutsch-Russisch

Jedes Jahr werden in Deutschland viele deutsch-russische Ehen geschlossen. Von allen Heiraten von Eheleuten mit unterschiedlicher Staatsangehörigkeit stehen deutsch-russische sogar an erster Stelle. Ein guter Grund für uns, die russischen Hochzeitsbräuche näher zu betrachten und Euch vorzustellen. Ganz zum Schluss gibt’s noch die Infos, was das Standesamt braucht wenn nicht beide Partner bereits deutsche Staatsbürger sind.

Die russkaja swadba – ein rauschendes Hochzeitsfest

Und das im wahrsten Sinn des Wortes – auf einer deutsch-russischen Hochzeit wird natürlich viel getrunken. Aber auch Spaß, Musik und Tanz sind ein wichtiger Eckpfeiler. Entsprechend dauern russische Hochzeiten oft bis in die Morgenstunden.

Außerdem gibt es viele russische Bräuche, die auch für junge Brautpaare eine liebgewonnene Tradition darstellen.

Üblicherweise gibt es folgende Fixpunkte im Ablauf:

  1. Der Bräutigam muss die Braut „freikaufen“
  2. Standesamtliche Trauung
  3. (Kirchliche Trauung)
  4. Ankunft bei der Hochzeitslocation, Willkommensrituale
  5. Geschenke, Reden
  6. Eröffnung des Buffets oder Servieren des Essens
  7. Tanzprogramm, Entertainment
  8. Russische Hochzeitsspiele
  9. Tanzprogramm, Hochzeitstorte
  10. Rituelle Schleierabnahme, Brautstraußwerfen

Der/die „Tamada“

Viele der überlieferten Traditionen bei russischen Hochzeiten dienten dazu, das Brautpaar vor dem „bösen Blick“ zu bewahren. So musste z.B. unbedingt ein Zauberer als Zeremonienmeister anwesend sein. Heutzutage übernimmt diese Funktion der/die HochzeitsmoderatorIn, der/die „Tamada“. Er oder sie hilft zusätzlich zum Wedding Planner bei allen Vorbereitungen, in erster Linie dient er oder sie aber dem reibungslosen und unterhaltsamen Ablauf des Tages, insb. der Spiele und Tänze. Je nach Deutschkenntnissen der Verwandtschaft ist es wichtig, dass dieseR ModeratorIn gleich gut Russisch und Deutsch spricht – denn es geht nicht nur ums gute Verständnis, sondern ja auch um den Unterhaltungswert.

Die Musik

Wer echte russische Stimmung haben will, sollte darauf achten, dass die Band oder der DJ auch ein gutes russisches Repertoire hat. Das sollte auf jeden Fall vorab geklärt werden. Wer hat, kann dem DJ auch passende Tonträger oder Musikdateien übergeben.

Der „Brautkauf“

Früher musste der Bräutigam mit den Brauteltern verhandeln. Heutzutage wartet die Braut mit Freundinnen, Mutter und Trauzeugen auf die Ankunft des Bräutigams. Von der Türe bis zu seiner Braut stellen die Anwesenden ihm Fragen über die Braut oder Rätsel. Wenn er falsch liegt, muss er in Geld oder Süßigkeiten seine „Strafe“ abbüßen.

Empfang bei der Hochzeitslocation

Früher wurde das Brautpaar von der Bräutigammutter empfangen, die ihren Sohn und die Schwiegertochter mit Hirse und Hafer bestreute, um ihnen Reichtum und Schutz zu wünschen.

Ebenfalls üblich ist, als Empfang oder im Laufe der Spiele, dass die Brautpaare nacheinander aus kunstvoll verzierten, großen Brot abbeißen müssen. Wer das größere Stück erwischt, hat später in der Ehe das Sagen. Das sorgt auch für lustige Fotos, weil das gar nicht so leicht ist. Manchmal werden vom Brot aber auch Stücke abgebrochen.

Gleich nach dem Empfang erfolgt die Übergabe der Geschenke. Hierfür stellen sich die Gäste nebeneinander auf und übergeben die Geschenke – heutzutage meistens Geld.

Danach wird die Hochzeitssuppe serviert und das Buffet eröffnet. Das Brautpaar nimmt auf einem erhöhten Tisch Platz, dem Brauttisch.

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„Gorka“-Rufen und Schuhstehlen

Während des Abends ist es üblich, dass Gäste „gorka“ rufen. Das bedeutet „bitter“ wie der Geschmack des Wodkas. Bei jedem Mal „gorka“ müssen die Gäste einen Schluck Wodka trinken und das Brautpaar sich „süße“ Küsse geben, um den bitteren Geschmack zu überdecken.

Im Laufe des Abends wird der Braut der Schuh gestohlen, traditionellerweise von „Zigeunern“, die aus der Gästeschar rekrutiert werden. Heute sind der Fantasie der Tamadas keine Grenzen gesetzt, so können auch Piraten o.ä. den Schuh stehlen. Dafür werden die anderen Gäste durch eine Tanzeinlage oder ähnliches abgelenkt und die bei Tisch sitzende Braut lässt sich bereitwillig den Schuh mopsen.

Auf deutsch-russischen Hochzeiten werden gern die Schuhe der Braut gestohlen.

Weil sie ohne Schuh nicht mehr tanzen kann und die Hochzeit damit nur mehr der halbe Spaß ist, bieten die Diebe den Gästen an, den Brautschuh zurückzukaufen, für ca. 5-20 Euro pro Gast. (Als Gegenleistung gibt es natürlich wieder einen Schluck Wodka.) Wer wesentlich mehr gibt, darf den Trauzeugen eine Aufgabe zuteilen, als Strafe dafür, dass sie den Diebstahl nicht verhindert haben. Dazu gehören z.B. die Brautmutter durch den Festsaal zu tragen.

Die deutsch-russische Hochzeitsnacht

Üblicherweise wird der Braut kurz vor Mitternacht von der Patentante oder Mutter der Braut der Schleier abgenommen. Dazu werden russische Folklorelieder gespielt. Der Schleier wird dem Bräutigam übergeben und die Braut wirft den Brautstrauß über die Schulter den unverheirateten Frauen zu.
Auch auf deutsch-russischen Hochzeiten wird gern der Brautstrauß geworfen.
Früher zog das Brautpaar zu den Eltern des Bräutigams. Dort trug der Mann die Frau über die Schwelle, um den Hausgeist zu überlisten – er sollte denken, dass es ein neugeborenes Kind und nicht eine fremde Frau sei. Dieses Ritual hat natürlich seinen Sinn eingebüßt, praktiziert wird es aber noch immer.

Achtung, Rechtslage beachten!

Wenn ein Ehepartner keine deutsche Staatsbürgerschaft hat, braucht er oder sie ein Heiratsvisum. In Russland gibt es außerdem kein Ehefähigkeitszeugnis und keine Bescheinigung des Familienstandes, wie es von deutschen Standesämtern aber verlangt wird.

Alle russischen Dokumente müssen beglaubt sein, also mit einer Apostille versehen sein. Manche Standesämter verlangen, dass die Dokumente von einer/einem in Deutschland vereidigten ÜbersetzerIn übersetzt werden. Die deutsche Heiratsurkunde sollte dann auch in Russland mit einer Apostille versehen werden.

Die Braut, die sich deutsch-russisch traut

Hier geht’s zum Interview mit Elina, die ihre deutsch-russische Traumhochzeit mit uns geteilt hat.

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